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24.11.2016

Via Dinarica - 1300 Kilometer durch die Berge des Balkan 10/ Kroatien/ vom Dinara nach Bosnien



Bevor ich am nächsten Morgen weiter in Richtung des Dinara Berges wandere, unternehme ich noch einen Abstecher zur größten Sehenswürdigkeit Knins. Von der riesigen Festung, die etwa 100 Meter über dem Stadtzentrum aufragt, hat man einen guten Ausblick über die Stadt zum noch weit entfernt aufragenden Klotz des Dinara.




                        Blick von der Festung

Sechs Kilometer weit laufe ich dann durch die Stadt und ihre Vororte, bis schließlich der Asphalt endet, und ein braunes Schild den Beginn der eigentlichen Wanderung anzeigt.



        Beginn der Wanderung zum Dinara

Über eine Mischung aus Fahrwegen und Steigen geht es durch dürre Grasflächen mit Wacholdern stetig aufwärts.

         
                      Trockenes Buschland

Nach etwa 13 Kilometern und 600 Höhenmetern erreiche ich die weite Hochfläche Suvo Polje. Bisher war es ziemlich bedeckt, aber jetzt erscheint die Sonne und beleuchtet die weite Landschaft. Mich stört lediglich, dass eine ganze Reihe von Fahrspuren die Landschaft durchschneiden.


                                  Suvo Polje

Auf Fahrwegen komme ich schnell voran, allerdings ist dadurch das Wandern auch etwas langweilig.


                       Auf Fahrwegen durch die weite Landschaft

Unterhalb eines Sattels blicke ich auf ein Hochtal, in dem verstreute Hütten liegen und einige Kühe weiden. 


                          Hochtal

Am Rand des Tales liegt die große Hütte Brezovac, die allerdings verschlossen ist. Selbst die Zisterne ist mit einem Schloss gesichert, gut, dass ich schon zuvor auf den Weiden meinen Wasservorrat ergänzen konnte!



                            Brezovac

Hinter der Hütte tauche ich unerwartet in einen alten, schönen Buchenwald ein, bis ich schließlich aus dem Wald an den Rand eines weiteren malerisch gelegenen Hochtals gelange.



                       Buchenwald hinter Brezovac


                      Noch ein idyllisches Hochtal

Nach etwa 22 Kilometern schlage ich bereits gegen 15:30 mein Lager auf, um später noch die Umgebung zu erkunden.


                           Schöner Zeltplatz

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, noch einen richtig großen Spaziergang zu machen, aber das Wetter ist herrlich und stabil, außerdem habe ich noch genügend Zeit, daher steige ich zunächst auf dem Fahrweg, dann auf Pfaden immer höher. Irgendwann denke ich, eigentlich könnte ich auch bis zum Gipfel des Dinara gehen. Im leuchtenden Abendlicht streife ich über offene Blumenwiesen durch die weite Berglandschaft, die zwar weniger schroff als im Velebit ist, aber für mich nicht weniger attraktiv. 










                         Abendspaziergang zum Dinara

Nach zwei Stunden habe ich den 1831 Meter hohen Gipfel des höchsten Bergs von Kroatien erreicht. Das Gipfelbuch weist aus, dass dieser Berg recht häufig bestiegen wird. Seine Höhe ist zwar nicht besonders imposant, aber mit 20 Kilometern Länge und 10 Kilometern Breite, stellt er einen wuchtigen Klotz dar, der sein eigenes Wetter macht, und nicht zuletzt sowohl dem Dinarischen Gebirge, als auch der Via Dinarica seinen Namen gegeben hat...
Beim Abstieg kann ich den Sonnenuntergang genießen und gelange mit dem letzten Licht kurz vor 22 Uhr zurück zum Zelt.




                Die untergehende Sonne begleitet meinen Abstieg

Die Route der Via Dinarica führt mich am nächsten Morgen bei schönem Wetter in weiteres Mal auf den Gipfel. Leider ist es etwa dunstig, aber mir ist klar, dass die hohen Berge weiter voraus bereits in Bosnien- Herzegowina liegen!



Dinara - Der höchste Berg Kroatiens


Der Abstieg ist nicht zu steil und führt auf schönem Pfad erst durch weite Latschenflächen und dann offenes Terrain.



                        Latschenkiefern bedecken weite Flächen


                           Abstieg vom Dinara

Gegen Mittag erreiche ich Marinova Kosara Skloniste, eine einfache, offene Steinhütte in der zehn Leute übernachten können. In der Nähe gibt es eine Zisterne mit Eimer!

                    Die Martinova Hütte

Mit großer Geschwindigkeit ziehen Gewitterwolken auf und nachdem ich die Quelle der Cetina, die mich noch länger begleiten wird, passiert habe, fängt es an zu regnen. Als der Regen beginnt unangenehm zu werden, mache ich links im Hang eine Höhle aus, die ich gleich ansteuere. Hier kann ich das Gewitter im Trockenen sitzend in aller Ruhe vorbei ziehen lasssen. Als ich damit beginne die Höhle zu erkunden, stelle ich fest, dass man über einen engen Durchgang zu  einer zweiten Kammer gelangt, die ebenfalls über eine Öffnung nach draußen verfügt. Einige Fledermäuse fühlen sich offenbar von mir gestört und zischen immer wieder dicht vorbei. Weiter im Inneren der Höhle gelange ich an einen Abhang und höre Wasser plätschern. Große Stalaktiten hängen von der Decke herab.



                   Wasservorhänge stürzen herab


                        Trockener Unterschlupf

Zu meiner Überraschung gesellen sich drei junge Norweger zu mir, die auf einem Roadtrip durch Kroatien sind und auch Dinara bestiegen hatten. 
Während es auf vielen umliegenden Bergketten noch regnet, ist es bei mir bald wieder trocken und ich setze den Abstieg fort. Von der Burgruine Glavas eröffnet sich ein weiter Blick ins Cetina Tal.

                          Burgruine Glavas

Am Rand des Örtchens Glavas gibt es eine kleine Biwakhütte aus blauem Metall. Martinova Kosara gefällt mir besser...
Bald nach Durchqueren des Örtchens führt der Track der Via Dinarica weglos über eine nasse Wiese. Ich ziehe es vor für eine Weile auf der Straße weiterzulaufen und versuche dann mich auf Fahrspuren wieder meiner Route zu nähern. Hier am Fuße des Berges bin ich wieder einmal in einer ganz anderen Landschaft aus trockenem Grasland und niedrigen Eichenwäldern gelangt. 

                           Verlassener Weiler

Wiedehopfe rufen und eine Schildkröte spaziert über den Weg. Schließlich schlage ich mein Zelt auf einer Grasfläche im Eichenwald auf.



                            Lager im niedrigen Eichenwald

Bereits vor Sonnenaufgang bin ich wieder unterwegs und kann dann bald noch einmal zum Dinara zurück schauen.

                     Auf dem Weg nach Cetina



                       Blick zurück zum Dinara

Bereits nach zwei Kilometern erreiche ich das nette Dorf Cetina, wo ein Schild auf die Unterkunft "Villa Cetina" hinweist. Von hier folgt die Via Dinarica für lange Zeit einem Fahrradweg, der Staza Cetina, und tatsächlich wäre ein Drahtross für die Strecke entlang Cetina Fluss und Peruca Stausee eigentlich viel besser geeignet...
Auf der Website der Via Dinarica kann man inzwischen auch etwas über eine Bergalternative lesen, leider folgt der GPS-Track des Wanderweges den eher langweiligen Straßen im Tal...
Am Rand von Cetina ragt die Ruine einer alten Kirche neben einem Friedhof auf. Mir gefällt, dass in den Balkanländern häufig Bilder der Toten in die Grabsteine graviert sind.

                     Der Friedhof von Cetina

                       Interessante Grabsteine

Auf Fahrwegen und Nebenstraßen ohne Verkehr wandere ich durch das weite Tal der Cetina. Ab und zu komme ich auch an den Bach, immerhin das längste, ausschließlich auf kroatischem Territorium fließende Gewässer.

                             Morgendunst



                               Im Cetina Tal

Mitunter komme ich an einzelnen Gehöften oder kleinen Weilern vorbei. Dort sprinten einmal drei knurrende Köter auf mich zu. Glücklicherweise kann ich einen Stein aufheben und zum Wurf ansetzen. Diese Geste kennen fast alle Hunde überall auf der Welt, und auch meine Angreifer überlegen es sich noch einmal....
Nach etwa 10 Kilometern habe ich den Peruca See erreicht, die Straße führt allerdings durch die hitzeflirrende, offene Landschaft oberhalb des Gewässers.

                         Der Peruca Stausee

Als gegen Mittag die Hitze fast unerträglich wird, kann ich der Versuchung nicht mehr widerstehen und versuche weglos zum Ufer des Gewässers zu gelangen. Einer Schildkröte, die mir dabei über den Weg läuft, ist es sicher auch zu heiß...

























































                                  Begegnung mit einer Schildkröte

Irgendwann habe ich eine Lücke im dichten Busch entdeckt, der das Seeufer einfasst. Herrlich in dieser abgelegenen Bucht in das kühle Nass zu steigen! Lediglich die Fische schauen mir in dem kristallklaren Wasser zu.


                           Badepause am See

Zurück an der Straße hört der Asphalt irgendwann auf und ich laufe auf einer Schotterpiste am malerisch über einer Bucht gelegenen, orthodoxen Kloster Dragovic vorbei, weiter. 



                           Kloster Dragovic

Wie schon gestern kommen dunkel drohende Wolken auf. Mir ist klar, dass es bald ein Gewitter geben wird. Zwar komme ich einige Male an einer Ruine vorbei, wo ich mich unterstellen könnte, aber noch ist das Wechselspiel zwischen strahlender Sonne und schwarz- blauer Bewölkung zu interessant...





                          Ein Gewitter kommt auf


Tatsächlich komme ich dann noch einige Kilometer weit, bis der Regen losbricht. Bevor ich völlig durchnässt bin, finde ich Unterschlupf in einem verlassenen Häuschen unterhalb der Straße. Zwar regnet es weniger als ich dachte, aber fürs Erste bleibe ich im Trockenen sitzen...


                          Zuflucht vor dem Regen

Gegen 18.30 scheint das Unwetter endgültig abgezogen zu sein und ich wandere weiter. Im schönen Abendlicht strahlt die Landschaft förmlich nach dem Regen. Normalerweise sind Regenbogen ja eher flüchtig, aber heute Abend begleiten mich die farbigen Himmelserscheinungen eine ganze Zeit lang.







                   Nach dem Gewitter


Die Gegend ist zwar eher dünn besiedelt, aber ich laufe noch eine ganze Weile, bis ich einen guten Zeltplatz auf einer Lichtung im Eichenwald abseits der Straße finde.


                        

Am nächsten Morgen ist die Welt noch feucht und dunstig.


                    Dunstiger Morgen

Als ich die Straße entlang wandere, sieht mich ein älteres Pärchen und bittet mich auf ihr Grundstück. Zwar sprechen Ivan und seine Frau nur etwas italienisch, aber irgendwie können wir uns verständigen. Zunächst gibt es Kaffee und Raki, dann schenkt mir das nette Paar noch einige Äpfel und Birnen aus ihrem Garten!



                            Ein sympathisches Paar

Wandertechnisch wird heute wohl der langweiligste Tag der ganzen Via Dinarica Wanderung. Stundenlang laufe ich bei brütender Hitze durch zum Teil recht dicht besiedeltes Gebiet über den Asphalt. 
Auch heute habe ich einige Begegnungen mit kläffend ihr Territorium verteidigenden, aggressiven Hunden, aber ich muss nie einen Stein werfen...
Blöderweise habe ich den Ehrgeiz, jeden Meter der Via Dinarica zu Fuß zurück zu legen. Aber hier wäre es wirklich vernünftiger den Daumen in den Wind zu halten. Noch besser wäre allerdings eine andere Route...


Langweiliges Straßenwandern


Die Landwirtschaft ist hier noch nicht so stark von Großmaschinen geprägt wie bei uns. Winzige Traktoren ackern auf handtuchschmalen Feldern.


                               Landwirtschaft auf schmalen Parzellen



Im Dorf Obrovac gibt es einige Cafes und ich lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen, meinen Flüssigkeitshaushalt mit etwas Anderem als Wasser aufzufüllen!

                                   Pause in Obrovac

Fast alle Leute hier trinken um die Mittagszeit übrigens schon Bier, wow das hat sich gereimt!
In Obrovac gibt es auch einen kleinen Laden. Damit steht meine Mittagsmahlzeit fest: 1kg Eiscreme, Vanille und Schokolade! Normalerweise wäre diese Portion eine echte Herausforderung, aber nach einem Monat wandern, ist das kalte Eis lediglich eine schöne Wohltat...
Ein Stück weiter Richtung Otok gibt es eine andere Belohnung: An einem Stau der Cetina kann ich meine Füße in das erstaunlich kühle Wasser tauchen!

                      Füße kühlen an der Cetina

Dabei beobachte ich einen jungen Zwergtaucher, der mir in dem glasklaren Wasser seine Tauchkünste zeigt.






                                   Junger Zwergtaucher

Otok ist eine kleine Stadt mit Supermärkten, Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten. Nachdem ich durch den Ort gelaufen bin, wandere ich als seltene Abwechslung zeitweise auf schönen Pfaden. Besonders gut gefällt es mir am Ufer der Ruda.
An einer Badestelle komme ich mit einigen Frauen, die gut englisch sprechen, ins Gespräch. Sie bestätigen meinen Eindruck, dass die Gegend recht wohlhabend ist. Viele Leute würden im Ausland, meist in Deutschland arbeiten, und dann in große Häuser in ihrer alten Heimat investieren...


                                 An der Ruda

Schließlich erreiche ich Grab, einen weiteren, größeren Ort wo ich mir eine Pizza gönne. Dabei ergibt sich eine Unterhaltung mit einer Familie die in Deutschland lebt, und im Sommerurlaub die alte Heimat besucht. Der Familienvater will wissen, ob ich etwas gegen Schlangenbisse dabei habe. Als ich antworte, dass ich die Schlangen in Ruhe lasse und daher erwarte, dass sie auch mir nichts tun, ernte ich nur sprachlose Blicke...

                                            Grab

Aus dem Ort geht es durch dichtes Buschland auf Fahrwegen steil nach oben. 
Inzwischen folge ich einer bekannten Pilgerroute, die von Sinj nach Rama Scit in Bosnien- Herzegowina führt. Ab und zu komme ich an einem Hinweisschild für diese Route vorbei. Jedes Jahr im August, absolvieren tausende von Pilgern den Weg. 

                         Wandern auf einer Pilgerroute

Häufig sehe ich jetzt interessante, blaue Disteln in den Grasflächen.


                      Die blauen Disteln sind jetzt oft zu sehen

Ljut ist ein abgelegener, idyllischer Weiler mit einer Handvoll Häuser. Eine Gedenkstätte weist darauf hin, dass dieser Ort im zweiten Weltkrieg die Stätte eines Massakers war. Das umliegende Buschland bot den Partisanen damals bestimmt gute Verstecke.

                               Ljut

                             Erinnerungsstätte

Ich bin auf der GPS-Route bereits tief in Bosnien-Herzegowina, aber weit und breit ist kein Grenzübergang zu sehen. Ich scheue davor zurück, ohne Stempel im Pass in dieses erste Nicht- EU Land auf meiner Wanderung zu gehen, daher verlasse ich den Track und gelange über einen weiten Umweg nach Bosnien. Kurz vor dem Grenzübergang, der sich tatsächlich weit entfernt von der tatsächlichen Grenze befindet, gelange ich zurück auf die Via Dinarica. Diesen Umweg hätte ich mir sparen können...

                         Auf dem Weg nach Bosnien

Der Grenzübertritt ist dann völlig unspektakulär, zwar schaut man sich meinen Pass an, ich bekomme aber nicht einmal einen Stempel...
Zunächst kann ich keinen Unterschied zu Kroatien ausmachen. Auch diese Gegend wirkt relativ reich, mit vielen neuen Häusern. 
Als ich in einer Pizzeria mit meinem restlichen kroatischen Geld bezahlen möchte, kommt mir ein junger Mann zu Hilfe, der, wie sich bald herausstellt, gut Deutsch spricht, ebenso wie viele andere Leute in dem Restaurant. Sie alle kamen als Flüchtlingskinder in den Kriegswirren Anfang der Neunziger Jahre nach Deutschland, und besuchen jeden Sommer die alte Heimat. Auch hier erfahre ich, dass das in Deutschland verdiente Geld die Gegend zum Blühen bringt. Daher auch der augenscheinliche Wohlstand.

                 In Deutschland aufgewachsene, junge Bosnier

Nach 31 heute gewanderten Kilometern schlage ich im Wald oberhalb des Busko Sees mein Zelt  auf. Zwar war das Wandern heute nicht so schön, aber die interessanten Begegnungen entschädigten mich ein wenig für die über weite Strecken öde Straßenwanderung.














































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